In den letzten Jahren erfreuen sich Fanfilme einer immer größeren Beliebtheit. Die Einfachheit der Umsetzung lassen Fanproduktionen aus dem Boden sprießen. Doch wie sieht die rechtliche Situation aus und was muss man als Fanfilmer beachten? Hier ein Überblick.

Ich selbst habe schon an mehreren Fanfilmproduktionen als Komponist teilgenommen und weiß, dass dahinter Menschen stecken, die mit viel Leidenschaft ihrem Lieblingsfanchise huldigen und ein Stück weit ein Teil davon sein wollen.

Definition

Doch was ist eigentlich ein Fanfilm und wie definiert er sich? Ein Fanfilm ist ein Film, der durch einen Film, eine TV-Serie, Comic oder Roman inspiriert ist. Hierbei setzen Fans, also nicht unbedingt der Urheber, die Fanfilmproduktion um. Das heißt in erster Linie, dass bei Fanfilmen zumeist Amateure oder Semi-Amateure an der Umsetzung beteiligt sind.

Geschichte der Fanfilme

Der erste bekannte Fanfilm mit dem Namen „Anderson Our Gang“ fällt auf das Jahr 1926 und basiert auf der Comedy Serie „Our Gang“. In den 60ern, 70ern und 80ern folgten dann Fanfilme größerer Werke wie Superman, Spiderman und Star Wars. Besonders letzteres und Star Trek entwickelten sich zu den beliebtesten Vorlagen für Fanfilme.

Ab den 2000er Jahren wurden Fanfilme zunehmend anspruchsvoller und konnten sich ob der verbesserten Heimsoftware semi-professionalisieren. Ein Beispiel wären hier die Fan-Serien Star Trek: New Voyages oder Star Wreck: In the Pirkinning. Zum Teil verfügten diese auch über professionelle Darsteller oder Techniker im Hintergrund.

Ab den 2010ern sprießen Fanfilme nur so aus dem Boden und erfreuen sich gerade auf YouTube zunehmender Beliebtheit. Viele von ihnen gehen dabei schon in einer sehr professionelle Richtung. Animationen, Schauspiel oder Storytelling reichen in einige Produktionen schon recht nahe an das Original ran. Bestes Beispiel hierfür wäre der Fanfilm „Voldemort: Origins of the heir„.

Rechtliche Situation

Fanfilme zu produzieren gilt in erster Linie als eine künstlerische Anerkennung an einen Lieblingsfilm, ein Comic oder ein Franchise. Ein Fanfilm ist also ein besonderer Ausdruck, dass von anderen geschöpfte Produkt künstlerisch wertzuschätzen. Denn hier werden oft bestehende Figuren oder ganze Welten als Grundlage für eine eigene Geschichte genutzt. Anders wäre es nicht möglich beim Zuschauer einen Wiedererkennungswert zu erschaffen. Es werden also Storylines oder bekannte Episoden des Hauptwerks weitergeführt oder umgeschrieben.

nicht-kommerzielle Nutzung ok….

Doch wie sieht es mit der rechtlichen Situation aus? Darf man eigentlich Figuren oder Geschichten eines geschützten Werkes so einfach verwenden? Gewöhnlich werden Fanfilme geduldet, solange sie nicht zu professionell sind und keine kommerziellen Zwecke damit verfolgt werden.

Genehmigung einholen, um sicher zu sein

Doch ohne sich von offizieller Seite eine Genehmigung einzuholen, bewegt man sich als Fanfilmer in einer rechtlichen Grauzone. Auf der sicheren Seite befindet man sich erst, wenn man über die Einverständniserklärung des Urhebers verfügt.

Bekannte Fanfilme

In den 2010ern haben sich Fanfilme sehr stark professionalisiert und stellen dadurch gewissermaßen eine Konkurrenz zu den Hauptwerken dar. Hier mal die wichtigsten Fanfilme im Überblick:

Darth Maul

Einer der wohl aufwendigsten Fanfilme ist der Star Wars Fanfilm „Darth Maul: Apprentice“. Der Film entstand ursprünglich als Abschlussfilm für eine Bachelorarbeit des Regisseurs Shawn Bu und entwickelte sich zu einem Mammutprojekt, an dem über 70 Leute arbeiteten. Der Film wurde so gut, dass es kurz nach seiner Veröffentlichung viral ging und sogar einen Webvideopreis abräumen konnte.

Axanar

Hinter Star Trek Axanar verbirgt sich eine minder erfolgreiche Geschichte. Im Gegensatz zu Darth Maul stand hinter diesem Projekt ein kommerzielles Interesse. Aufwendig produziert und mit professionellen Darstellern – zum Teil aus dem bekannten Star Trek Universum – bestückt, wurde dieses Projekt über Kickstarter finanziert und konnte in kurzer Zeit eine stattliche Summe von 600.000 Dollar einsammeln.

Im Unterschied zu Darth Maul schritten aber hier die Urheber der Marke ein, mit dem wahrscheinlichen Hintergrund, dass ihnen Axanar zu professionell und als Konkurrenz zu neuen offiziellen Star Trek Serie Discovery Serie gesehen wurde.

Crossed Worlds

Im Vergleich zu den ersten beiden Beispielen, ist der Fanfilm Avengers: Crossed Worlds von reinen Amateuren produziert. Verantwortlich hierfür zeichnet sich das Filmteam rund um Markus Könitz von der Cosplay und Filmgruppe Final Frontier Enterprises. Der Fanfilm verbindet auf kreative Weise das Star Wars- und das Avengers Universum.

Eigenen Fanfilme machen – was beachten?

Jetzt stellt sich die Frage für den „einfachen“ Fanfilmer, der weder professionelle Schauspieler, noch ein Budget von 100.000 Dollar hat, was man bei einer Fanfilmproduktion beachten muss?

Wie schon gesagt, die Produktion eines Fanfilms ist immer eine Gradwanderung. Im Grunde macht man sich geistiges Eigentum anderer zu Nutze, was konkret gesehen gegen das Urheberrecht verstößt. Man spricht hier auch von einer „unfreien Bearbeitung“

Eine unfreie Bearbeitung nach §§ 3, 23 UrhG ist eine so genannte abhängige Nachschöpfung. Diese liegt immer dann vor, wenn wesentliche Züge des Originalwerks übernommen werden. Liegt dies vor, darf das neue Foto nur mit der Einwilligung des Urhebers der Vorlage veröffentlicht werden. Beitrags-Navigation Vorheriger Beitrag

Das heißt also, als Fanfilmer bewegt man sich rechtlich auf sehr dünnem Eis. Doch was kann man nun konkret tun?

Keine Fanfilme machen – eigene Ideen umsetzen

Es klingt vielleicht komisch, aber um unangenehme Post von einem Anwalt zu ersparen, wäre es sinnvoll die kreative Energie in die Entwicklung einer eigenen Idee zu stecken. Man verliert hier vielleicht die Zugkraft der Fremdmarke, aber warum sollen neue Ideen nicht erfolgreich sein können?

Kontaktaufnahme mit dem Rechteinhaber

Hast Du Dich entschlossen einen Fanfilm zu produzieren, empfehle ich Dir Dich mit dem Studio oder dem jeweiligen Rechteinhaber in Verbindung zu setzen und eine Einverständniserklärung einzuholen.

Doch sollte man das denn so streng sehen? Für einen Fanfilm verklagt zu werden, ist bei all der Menge an Fanfilmen im Internet, eher gering. Denn für viele Studios sind Fanfilme gutes Marketing und zudem ein Imagegewinn. Trotzdem, mache bei Deiner Fanfilmproduktion ganz deutlich, dass Du nicht-kommerzielle Zwecke damit verfolgst.

Musik in Fanfilmen

In Fanfilmen wird meist auf bestehende zum Teil urheberrechtliche Musik zurückgegriffen. Welcher Fanfilm hat schon die Mittel sich einen Komponisten zu leisten? Ab diesem Punkt spielt das Thema GEMA wieder eine wichtige Rolle. Grundsätzlich gilt bei gemapflichtiger Musik:

  1. die GEMA kann nicht verbieten, ob GEMA-pflichtige Musik in Videos (Fanfilmen) verwendet werden darf
  2. die GEMA kann nicht verbieten, Musik zu bearbeiten, zu schneiden und in Filmen zu verwenden.
  3. ABER an die GEMA muss im Regelfall ein Nutzungsentgelt gezahlt werden, wenn Fanfilme ÖFFENTLICH aufgeführt oder zum Download angeboten werden, sollte denn darin GEMA-pflichtige Musik vorkommen.

Um GEMAgebühren zu umgehen, sollte man im besten Fall gemafreie Musik nutzen. Der legale Weg – ob man nun gemafreie oder gema-pflichtige Musik nutzen möchte – wäre hier sich die Nutzungsgenehmigung vom jeweiligen Musiker oder Musikverlag einzuholen. Damit ist man in der Regel immer auf der sicheren Seite.

Hast Du Fragen zum Thema Fanfilme? Kannst Du weitere Fanfilme empfehlen? Schreibe diese doch gerne unten in die Kommentare.

Kategorien: Fanfilme

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