Künstliche Intelligenz: Musik komponiert von Maschinen

Veröffentlicht von Ronald Kah am

Künstliche Intelligenz komponiert seit neuestem auch Musik. Werden Komponisten bald überflüssig? Mehr über Künstliche Intelligenzen und wie sie die Musikindustrie auf den Kopf stellen könnten, erfährst Du im folgenden Beitrag.

Mit der Industriellen Revolution haben uns Maschinen körperlich schwere Arbeiten abgenommen. Bis in die Gegenwart waren künstlerische und kreative Berufe lediglich dem Menschen vorbehalten. Seit der Digitalen Revolution fangen Computer an zu denken und übernehmen langsam aber sicher mehr und mehr kreative Denkprozesse.

Zufällig bin ich auf einen Bericht auf www.br.de gestoßen, indem es darum geht, das Warner Music einen Plattenvertrag mit der Musikplattform Endel abgeschlossen hat. Endel entwickelt eine KI, die Ambient Musik komponiert. Seitdem ich diesen Bericht gelesen habe, hat mich das Thema Künstliche Intelligenz nicht mehr losgelassen. Und für mich stellt sich die Frage, haben menschliche Komponisten in naher Zukunft ausgedient?

Was ist Kreativität?

Erst einmal stand für mich die Frage im Raum, was ist eigentlich Kreativität? Nach Wikipedia ist Kreativität die schöpferische Fähigkeit eines Einzelnen. Es ist das Vermögen neue Dinge, wie Ideen, zu entwickeln, die nützlich und brauchbar sind. Außerdem hilft Kreativität dabei bewährte Denk- und Handlungsmuster zu überwinden und neue Methoden zu entwickeln um Probleme zu lösen.

Was ist KI?

Eine Künstliche Intelligenz ist ein Computerprogramm, dass aus einer Vielzahl von Daten verschiedene Muster erkennen kann und daraus eigene Regeln ableiten kann – sogenannte Algorithmen. Eine KI besteht aus neuronalen Netzen, die miteinander verknüpft sind, wie im menschlichen Gehirn auch. Dadurch können Bilder und Töne klassifiziert werden (Stichwort: Deep Learning) – je mehr Daten eine KI erhält, umso besser ist der Grad ihrer Erkenntnis.

Der Unternehmensberater McKinsey schätzt bis 2030 mit Nutzung von KI einen zusätzlichen globalen Wertschöpfungsbeitrag in Höhe von 13 Billionen US-Dollar. Eine unglaubliche Zahl, die das enorme Potential von künstlichen Intelligenzen zeigt.

Künstliche Intelligenz vs. Kreativität

Kann künstliche Intelligenz kreativ sein? Kunst, gerade Musik, ist sehr komplex. Bei meiner letzten Musikproduktion habe ich auf so viele Dinge achten müssen: Ist die Instrumentenauswahl passend? Habe ich das richtige Tempo gewählt? Berührt mich die Melodie? So viele Aspekte, die bei einer Komposition eine tragende Rolle spielen. Kann das alles eine KI umsetzen? Mhh, ich weiß es nicht…

Musik ist Kommunikation, sie ist für uns Menschen eine kreative Reflexion unserer Emotionen. Wir versuchen mit Musik unseren Gefühlen in Form von Tönen Ausdruck zu verleihen. Musik ist dadurch Teil unserer Kultur und unserer Geschichte. Wenn Maschinen kreative Arbeiten übernehmen, wo bleibt dann der Mensch? Verlieren wir dadurch nicht unsere Identität und schaffen so eine Kultur der Maschinen?

Was ist menschliche Arbeit noch wert, wenn Arbeitsplätze von MacDonalds Angestellten bis zum Künstler automatisiert werden können? Müssen wir dann nicht nur Technologie, sondern auch unser gesamtes Gesellschaftssystem in Frage stellen? Ein Szenario, auf das wir als Menschheit eine Antwort finden müssen, denke ich.

KI komponiert Musik

Die künstliche Intelligenz ist bereits in viele Kreativ-Branchen vorgedrungen. YouTube erprobt gerade Live-Übertragungen mit künstlichen Intelligenzen. Außerdem wird KI bei der Fotobearbeitung eingesetzt.
Jetzt scheint die Musikindustrie „betroffen“ zu sein. Dabei stehen nicht nur Arbeitsplätze auf dem Spiel, sondern das Selbstverständnis einer gesamten Branche.

Hier ein Video der Sängerin Taryn Southern mit ihrem Song „Break Free“. Es zeigt, wohin die Zukunft der Musik führen kann. Mensch und KI kooperieren miteinander. Die Instrumentierung des Liedes wurde dabei von einer KI komponiert, die Lyrics wurden von einem Menschen verfasst – eine interessante Teamarbeit.

Amper: AI Music nach Genre

Hier noch ein Beispiel: Soundtrack per Knopfdruck? Das Start-Up Amper scheint dies möglich zu machen. Auf deren Website kannst Du per Auswahl von Stimmung und Genre von einer KI einen Song komponieren lassen. Das Ergebnis ist auf jeden Fall hörbar und könnte mit Sicherheit irgendwo in einer Lounge oder in Warteräumen im Hintergrund gespielt werden.

AIVA: KI mit 30.000 Partituren

Ein weiteres Beispiel wäre die KI AIVA (Artificial Intelligence Virtual Artist). Ihr Wissen umfasst 30.000 Partituren bekannter Komponisten wie Mozart und Beethoven. Damit die KI weiß, wie sie aus ihrer Datenbank eigene Kompositionen kreieren kann, haben die Entwickler ihr Algorithmen antrainiert. Sie weiß dadurch, welcher Teil einer Partitur für welche Emotion steht. Daraus entwickelt sie dann einen eigenen Kompositionsstil und wählt selbstständig Instrumente aus.

Fazit: Künstliche Intelligenz und Musik

Als Filmkomponist bin ich auf Auftragskompositionen angewiesen. Aktuell lassen sich simple Musikstücke , wie Ambient Tracks, oder einfache Pop/Rock Beats durch eine KI nachbilden. Heißt das nun, das Komponisten in Zukunft überflüssig werden? Ich denke nicht. Eher sehe ich, dass Mensch und Maschine in Zukunft zusammenarbeiten werden bzw. müssen.

Eine komplexe Filmmusik zu komponieren, wo es auf Timing und gezielte Emotion ankommt, wird meiner Meinung nach nicht so schnell von Algorithmen ersetzt werden können. In dem Fall kann KI vielleicht ergänzen, indem Samples oder Passagen automatisch generiert werden, um dem Komponisten etwas Zeit zu ersparen.

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Kategorien: Musikproduktion

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