Funktionen der Filmmusik

Funktionen Filmmusik

Filmmusik wird genutzt, um die Wahrnehmung des Zuschauers zu beeinflussen. Musik in Filmen kann erschrecken, beruhigen, oder aggressiv machen. Hier findest Du die wichtigsten Funktionen der Filmmusik im Überblick:

Zu Beginn ein Zitat:

„Filmmusik muss sich sofort und unmissverständlich zu erkennen geben, weil sie nur einmal gehört wird von einem Publikum, das obendrein unvorbereitet ist und nicht ins Kino kommt, um Musik zu hören“. (Josef Kloppenburg, 2000. Filmmusik. Stil –Technik – Verfahren – Funktionen.)

Filmmusik hat eine fundamentale Aufgabe: Sie soll die Handlung des Films unterstützen und dabei nicht als eigenständiges Element in den Vordergrund treten. Sie bildet die emotionale Grundlage für den Film, ist aber in keinster Weise ein Protagonist. Sie begleitet und kommentiert die Handlung, ist aber in der Regel nicht Teil dieser.

Der Filmkomponist hat hier also die Aufgabe eine Filmmusik zu komponieren, die eher unterschwellig ist und in Schlüsselszenen wichtige Akzente setzt – sei es Dramatik oder Gefühl.

Filmmusik definiert

Filmmusik oder auch englisch „Score“ ist eine Musik, die extra für einen Film aus bestehenden oder neu komponierten Musikstücken zusammengestellt wird. Bild und Ton gehen dabei eine funktionelle wie auch inhaltliche Verbindung ein. Ziel ist es auf einer emotionalen Ebene die Handlung eines Filmes zu unterstützen.

Grundlegende Funktionen der Filmmusik

  • Wirkung der Bilder verstärken: Der Hörsinn ist eng mit unserem limbischen System (Das für die Verarbeitung von Emotionen verantwortlich ist) verknüpft.
  • Aufmerksamkeit erhöhen: Durch Musik kann die Aufmerksamkeitsspanne des Zuschauers verstärkt werden.
  • Unterhaltungswert steigern: Szenen, die „langweilig“ sind, können durch Musik eine Aufwertung erfahren.
  • Spannung aufbauen: Die Musik kann so arrangiert und komponiert sein, dass sie einen Spannungsbogen erzeugt und die Dramaturgie der Bilder unterstützt.

„Durch die Musik wird immer eine Message übermittelt. Da ist es egal, ob es sich um einen kurzen Werbetrailer oder eine Millionen-Dollar-Kinoproduktion handelt“, (Kahlil Feegel)

Dramaturgische Funktionen der Filmmusik

Josef Kloppenburg unterteilt die Funktionen der Filmmusik in seinem Buch* in drei wesentliche Bestandteile ein. Dazu gehören die dramatische-, expressive- und syntaktische Funktion:

Die dramaturgische Funktion in der Filmmusik wird eingesetzt, um Personen zu charakterisieren. Dadurch werden Stimmungen oder Eigenschaften dieser Personen hervorgehoben. Neben der Stimmung kann hier auch eine Spannung erzeugt werden, wenn zum Beispiel das musikalische Thema dieser Person bedrohlich wirkt. Es finden sich also enge Parallelen zur Leitmotivtechnik – Einer Person, Situation oder Ort wird eine Tonfolge zugeordnet.

Expressive Funktion der Filmmusik

Die Expressive Funktion in der Filmmusik ist die wohl am meisten verwendete. Expressiv bedeutet in diesem Fall, dass Musik Gefühle unterstützen oder verstärken soll. Bewusst oder unterbewusst kann die Wahrnehmung des Zuschauers beeinflusst werden. Je nach Auswahl der Musikinstrumente oder dem Tempo der Musik, kann eine Szene als romantisch oder dramatisch wahrgenommen werden. Wichtige Filmmusiktechniken, um eine solche Wirkung zu erzielen sind:

Die Musik ist hierbei eine Unterstützung, damit der Zuschauer, die Filmhandlung und die Atmosphäre besser verstehen und interpretieren kann.

Syntaktische Funktion Filmmusik

Die Syntaktische Funktion in der Filmmusik unterstützt das strukturelle Verstehen des Geschehens der Filmhandlung. Sie leitet Übergänge zu anderen Szenen ein und setzt diese in eine Beziehung zueinander. Dadurch kann der Zuschauer Handlungsstränge besser verstehen und diese in einen Kontext setzen.

  • Beispiel 1: Situation X, in der zwei Personen (Person A und Person B) involviert sind. Person A hat einen entgegensetzten Standpunkt wie Person B – die Musik unterstreicht dies.
  • Beispiel 2: eine Musik beginnt in Szene A und leitet Szene B ein (auch „audio advanced„). Oder, eine Szene beginnt und die Musik folgt später („audio delay„).

Funktionen der Filmmusik nach Pauli

Der Musikwissenschaftler Hansjörg Pauli hat drei verschiedene Aspekte der Filmmusik zusammengefasst.

  1. Polarisierung: Inhaltlichen neutralen Bildern wird eine eindeutige Musik zugeordnet.
  2. Paraphrasierung: Inhaltlichen eindeutigen Bildern wird eine eindeutige Musik zugeordnet.
  3. Kontrapunktierung: Inhaltlich eindeutigen Bildern wird eine eindeutig widersprechende Musik zugeordnet.

Funktionen nach Georg Maas

Der Musikpädagoge Georg Maas unterteilt die Funktionen der Filmmusik in vier Ebenen, die mit den bereits genannten ähnlich sind, oder diese ergänzen. Buchtipp!*

  • Tektonische Funktion: Titelmusik, Abspannmusik oder Filmsongs können als Werkzeug zur äußeren Gestaltung des Films genutzt werden.
  • Syntaktische Funktion: Filmmusik wird genutzt, um die Erzählung strukturell voran zu bringen.
  • Semantische Funktion: die Musik wird als Mittel der inhaltlichen Gestaltung verwendet. Diese kann konnotativ, denotativ oder reflexiv wirken.
  • Mediatisierende Funktion: Musik kann als Mittler zwischen dem Film und den sozialkulturellen oder den politischen Erfahrungen des Publikums dienen.

Buchempfehlung:

Als ergänzende Lektüre, kann ich Dir das Buch „Filmmusik: Geschichte – Ästhetik – Funktionalität“ empfehlen. Der Autor Josef Kloppenburg bietet hier einen umfassenden Überblick zum Thema Filmmusik. Hier geht es zum Buch!*

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