Was muss ein Nutzer von Musik über das Urheberrecht wissen? Und was muss ein Musiker tun, damit seine Werke geschützt sind? Hier mal ein Überblick:

Als Musiker und Komponist habe ich mich sehr intensiv mit dem heute geltenden Urheberrecht auseinandergesetzt. Grund ist es ein Verständnis darüber zu erlangen wie man im digitalen Zeitalter mit dem Begriff „Werk“ umgeht. Deshalb ist das hier keine Rechtsberatung, sondern ein Fundus aus Informationen, die ich mir im Laufe meiner Aktivität als Künstler im Internet zusammengetragen habe.

Digitalisierung Musikindustrie

Vorwort: „Musik aus dem Internet„: Der Startschuss der Digitalisierung in der Musikindustrie viel mit dem Beginn des kommerziellen Internets in der frühen 90er Jahren des 20. Jahrhunderts. Erstmals war es möglich nicht physische Musikträger weltweit miteinander auszutauschen. Ein Postbote war nicht mehr notwendig. Die Musik gelangte direkt vom Sender zum Empfänger. Dadurch erlebte das Musikformat MP3 – das bereits im Jahr 1982 erfunden wurde – einen wahren Boom. Musik verbreitete sich rasend schnell über das Netz und dadurch war es für Rechteinhaber immer schwieriger die Verbreitung ihrer Werke zu kontrollieren.

Definition

Das Urheberrecht schützt die Rechte an einem musikalischen Werk, dass ein Musiker bzw. ein Komponist geschaffen hat. Das bedeutet, der Erschaffer, ist gleichzeitig der Urheber des Werkes. Daraus ergeben sich folgende Rechte nach §§ 11 ff UrhG:

Urheberpersönlichkeitsrechte

Urheberpersönlichkeitsrechte gelten nur für den Urheber und sind nicht auf andere übertragbar.

  • Veröffentlichungsrecht: Der Urheber entscheidet, ob und wie sein Werk erstmalig veröffentlicht wird.
  • Anerkennung Urheberschaft: Zudem steht dem Urheber das Recht auf Anerkennung zu, dass er/sie als Urheber eindeutig hervorgeht, bzw. genannt wird.
  • Einstellungsverbot: Außerdem besitzt der Urheber das Recht darauf die Veröffentlichung bzw. eine Beeinträchtigung des Werkes zu verhindern.

Verwertungsrechte

Verwertungsrechte sind absolute Rechte, die dem Urheber erlauben diese auf andere zu übertragen. Das heißt jemand anderes darf die Musik gegen oder ohne eine Bezahlung nutzen oder eben nicht nutzen. Hier mal die wichtigsten Verwertungsrechte im Überblick:

  • Vervielfältigungsrecht
  • Verbreitungsrecht
  • Ausstellungsrecht
  • Bearbeitungsrecht

Urheberrechtsverletzung

Das sagt die Website www.urheberrecht.de:

Musikstücke und Kompositionen fallen unter das Urheberrecht. Findet eine Verwertung ohne die Zustimmung des jeweiligen Rechteinhabers statt, handelt es sich dabei um eine Urheberrechtsverletzung. Ein Verstoß gegen das Urheberrecht kann auch bei sogenannten Coverversionen vorliegen.

Urheber genießen eine Menge Rechte. Doch was passiert, wenn diese durch andere nicht beachtet werden? Dann tritt die Situation einer Urheberrechtsverletzung ein. Diese kann folgender maßen zustande kommen:

  1. Wenn z.B. die Veröffentlichung des Liedes ohne die Zustimung des Urhebers zustande kommt
  2. Der Urheber bei Veröffentlichung nicht genannt wird
  3. Oder das Lied gecovert wurde, ohne das der Urheber dazu seine Zustimmung/Einwilligung gegeben hast.

GEMA

Damit Musiker von ihrer Musik leben können, wurde die Institution GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführung- und mechanische Vervielfältungsrechte) gegründet, die Geld für Künstler eintreibt, bzw. berechtigt ist Lizenzgebühren zu erheben. Das heißt Kinos, Radiosender, Internetplattformen, in denen gema-lizenzierte Musik zu hören ist, müssen je nach Anzahl des Publikums Gebühren bezahlen.

Bedeutet also, jede Musik, die nicht bei der GEMA angemeldet ist, ist somit GEMA-frei. Daraus ergibt sich die Frage, wie Musiker und Komponisten ihre Musik schützen können, wenn es keine übergeordnete Institution gibt, die die Verbreitung der Werke kontrolliert? Darum geht es im nächsten Abschnitt.

Musikrechte

Es folgt ein Überblick, welche Musikrechte ein Komponist an seinen Werken genießt:

Alle Rechte vorbehalten

Sobald ein Musikwerk geschaffen wird, greift das Urheberrecht. Der Urheber muss in jedem Fall um Erlaubnis gefragt werden, sobald ein andere Person seine Musik nutzen möchte. Dazu zählt die Verbreitung, Verarbeitung und Vervielfältigung. Sollte ohne die Zustimmung des Urhebers das Werk verwendet werden, kann der Urheber klagen.

Gemeinfreie Werke

Wie lange ist eigentlich ein musikalisches Werk geschützt? Verstirbt der Urheber, gilt sein Werk nach einer Dauer von 70 Jahren nach seinem Tod als gemeinfrei – man spricht hier auch von Verjährung. Trotzdem können Plattenfirmen weiterhin Rechte an der Komposition besitzen, sofern das Musikstück neu aufgenommen und wieder veröffentlicht wurde.

Einige Rechte vorbehalten

Zur Jahrtausendwende hat sich in Folge der Digitalisierung eine weitere Form etabliert. Creative Commons – diese beinhaltet verschiedene Lizenzen, die das bestehende Urheberrecht ergänzen. Hier kann der Urheber bestimmen, ob seine Musik für ausschließlich private oder auch kommerzielle genutzt werden darf. Diese „Lizenzbausteine“ kann der Komponist ganz individuell festlegen.

Mehr zu den CC-Lizenzen erfährst Du in meinen Blogbeitrag „Was ist Creative Commons„.

Musikrechte erwerben

Nehmen wir an, ein Filmemacher/Veranstalter möchte einen speziellen Song in seinem Projekt nutzen, dann muss er die Musikrechte dazu erwerben. Denn in der Regel besitzt ein Label oder eine Plattenfirma die Nutzungsrechte daran. Hier sollte man sich eine schriftliche Erlaubnis zur Nutzung einholen, um auf der sicheren Seite zu sein.
Eine Alternative bieten hier GEMAfreie Musikstücke oder Creative Commons Musik, doch auch hier sollte man sich die Musikrechte schriftlich einholen, sofern die Nutzungsrechte der Anbieter nicht eindeutig festgelegt sind.

Die 30 Sekunden Regel?

In der Musikbranche spricht man öfter mal von der „30 Sekunden Regel“. Das heißt, 30 Sekunden eines Liedes dürfen genutzt werden, wenn es in einem selbsterstellten, künstlerisches Werk zur nicht kommerziellen Nutzung verwendet worden ist. Es ist somit eine Interpretation des Zitatrechts (§ 51Zitate)

Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes zum Zweck des Zitats, sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist.

Möchte man also einen Songausschnitt verwenden, kann man sich auf das Zitatrecht berufen. Trotzdem bewegt man sich hier in einer rechtlichen Grauzone. Ich rate eher dazu eine sog. „Bearbeitungslizenz“ (schriftliche Einverständniserklärung) beim Urheber/Rechteverwalter einzuholen, dann bist Du auf der sicheren Seite.

Musikrechte sichern

Wie schützt Du als Musiker Deine Komposition? Spätestens, wenn Du aus Deinem Kämmerlein hervor in die Öffentlichkeit trittst, stellt sich die Frage, wie kannst Du Deine Musik für Songdiebstahl schützen?

Das Urheberrecht gilt sofort

Doch keine Panik. Das deutsche Urheberrecht schützt von Hause aus die Komposition eines Stückes. Außerdem beginnt das Urheberrecht ab dem ersten Akkord und dem ersten geschriebenen Wort eines Songtextes. Es macht also keinen Unterschied, ob Du Deine Musik bei der GEMA meldest – diese schützt Deine Musik nicht, sie treibt nur die Lizenzgebühren ein.

Songdiebstahl, was tun?

Doch nehmen wir den „worst case“ an: Jemand anders verkauft Deine Komposition als seine, oder Du möchtest schon einmal vorbeugend einem Diebstahl entgegenwirken. Ab hier gilt die Beweisfrage! Dazu ein paar Beispiele:

  1. Hast Du Deiner Familie oder Freunden den Song vorher schon mal vorgespielt? Dann könnten sie im Zweifelsfall vor Gericht aussagen.
  2. Auch kannst Du Deine Komposition ausdrucken, mit einem Datumsstempel versehen und an Dich selbst schicken und im Falle des Diebstahls dies als Beweis nutzen.
  3. Zudem kannst Du Deine Komposition bei einem Anwalt oder Notar hinterlegen.

Hast Du Fragen oder Anmerkungen zum Urheberrecht in der Musik? Dann kontaktiere mich doch oder hinterlasse mir einen Kommentar: 🙂

Hinweis: Alle die hier aufgeführten Informationen sind keine Rechtsberatung oder als rechtsverbindlich zu verstehen.

Kategorien: Musikmarketing

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