Wie entsteht Filmmusik? Filmmusik produzieren ist nicht nur Kunst, sondern auch ein hoher organisatorischer Aufwand. Im Folgenden möchte ich Dir die fünf wichtigsten Arbeitsschritte eines Filmsoundtracks vorstellen:

Was sind die Besonderheiten bei der Filmmusikproduktion im Vergleich zur herkömmlichen Musikproduktion? Bei der Filmmusikproduktion kommt es darauf an, dass die Musik möglichst synchron zum Bild verläuft. Im Gegensatz zur „normalen“ Musikproduktion, muss der Komponist sich in der Filmmusik an Filmszenen orientieren, diese interpretieren und eine passende Musik dazu komponieren. Schlussendlich soll eine emotionale Wirkung durch die Filmmusik beim Zuschauer hervorgehoben werden.

Das Filmprojekt: Vision verstehen

Hinter jedem guten Film steht ein starkes Team. Der Filmkomponist ist dabei ein wichtiger Bestandteil und muss neben musikalischen Talent auch über ausgeprägte Social Skills wie Teamarbeit, Kommunikationsfreudigkeit und vor allem Kritikfähigkeit verfügen. Wichtige Eigenschaften also, um Erfolg mit Musik zu haben oder um Filmkomponist werden zu können.

Regisseur und Komponist arbeiten in der Regel sehr eng zusammen. So entstehen meist Zusammenarbeiten, die sich über Jahre oder Jahrzehnte erstrecken. Beispiele in er Vergangenheit wären hier Hans Zimmer und Christopher Nolan wie auch Steven Spielberg und John Williams.

Folgende Skills sind für einen Filmkomponisten neben Talent wichtig:

  • Kommunikation: Es muss verstanden werden, was der Regisseur erwartet
  • Organisation: Der Komponist muss sich Zeit und Kompositonsstruktur einteilen
  • Disziplin: Die Kompostion des Soundtrack ist ein ernormer Aufwand, oft heißt es viel basteln bis der letzte Ton sitzt
  • Kritikfähigkeit: Die Fähigkeit zur Selbstreflexion und Aufnahme von Kritik sind wichtige Eigenschaften eines Komponisten

Was ist der Sinn des Films?

Am Anfang der Filmmusik setzen sich Komponist und Filmregisseur zusammen und klären folgende Fragen: Was ist der Sinn des Films und für wen machen wir ihn? Was ist die Zielgruppe?
Es ist ein Unterschied, ob der Film dafür gemacht wird, um möglichst viele Zuschauer in die Kinos zu locken, oder ob er eine Nische bedienen soll. Eine Hollywoodproduktion hat ein anderes Ziel als ein Indepedend-Film.

Gibt es für den Film ein hohes Budget, oder ist es ein No-Budget Film? All diese Dinge machen den Unterschied und wirken sich auf das Endergebnis des Soundtracks aus.

Wie lange soll der Film werden?

Für den Filmkomponisten ist die Länge eines Films wichtig. Nicht nur, um sich besser die Zeit einteilen zu können, sondern auch, um sich im Vornerein einen Spannungsbogen auszudenken, vielleicht schon gewissen Dinge vorzukomponieren. Hans Zimmer entwickelt vor dem fertigen Schnitt verschiedene Musiksuiten, und kann dadurch bereits früh in der Postproduktion auf einen Katalog an Musik für den Film zugreifen.

Welches Genre bedient der Film?

Natürlich ist für den Stil der Filmmusik entscheidend, ob sie für einen Horrorfilm oder eine Romanze geschrieben wird. Geht es eher fröhlich wie in einer Komödie zu oder dramaturgisch wie in einem Actionfilm? Oder ist es sogar eine Mischung? Hier wird darüber entscheiden welchen Ton und welche Atmosphäre die Musik letztendlich im Film erzeugen soll.

Was ist die Vision des Regisseurs?

Der Regisseur hat mit großer Sicherheit eine eigene Vision für seinen Film. Was möchte er aussagen? Was ist die Message? Und wie möchte er diese im Film ausdrücken? Jeder Regisseur hat seinen eigenen Stil. An diesem Punkt entscheidet sich, ob sich die Ansichten des Regisseurs und die des Komponisten miteinander vereinbaren lassen.




Planung mit dem Regisseur

Haben Regisseur und Komponist eine gemeinsame Sprache entwickelt, beginnt der eigentliche Produktionsprozess. Ab hier gibt der Regisseur dem Komponisten einen Überblick und ein Gefühl wie die Musik klingen soll und erste Anweisungen zur Umsetzung.

Die Ziele des Regisseurs verstehen

Es gibt verschiedene Typen von Regisseuren. Einige möchten, dass die Musik einfach nur „cool“ oder „episch“ klingt, andere wiederum haben eine feste Vorstellung für die Filmmusik. Als Komponist kann man da also alles erwarten, von konstruktiven Input bis hin zu der Aussage „mach mal“. Je nach Typ brauchen Komponisten hier klare Anweisungen oder ungefähre Ideen, um einen angemessenen Sound zu entwickeln.

Temp Tracks: Platzhaltermusik

Hat der Regisseur bereits eine Vision wie sein Film klingen soll, werden in der Regel Temp Tracks verwendet. Temp Tracks sind bereits bekannte Stücke aus Werbung und Film und passen eigentlich nicht direkt in den Film – sei es von der Länge, Tempo, Arrangment oder Instrumentenauswahl. Filmkomponisten können sich an diesen orientieren. Oft kommt es vor, dass es solche Temp Tracks in den fertigen Film schaffen.

Kommunikation mit dem Regisseur das A und O

Um den Vorstellungen des Regisseurs zu entsprechen, oder im besten Fall zu übertreffen, ist die Kommunkation zwischen Komponist und Regisseur elementar. Jeder Regisseur hat seinen eigenen Musikgeschmack. Komponist und Regisseur müssen sich hier also auf einen gemeinsamen Stil einigen. Im besten Fall sagt der Regisseur „Ich brauche einen Sound wie in The Dark Knight“. Dadurch hätte der Komponist eine Grundlage für die Zusammenarbeit.

Oft entstehen bei dieser engen Zusammenarbeit Dream Teams, Michael W. Busch und Dietrich von Der Oelsnitz formulieren das in Ihrem Buch „Die Wahrheit über Teamarbeit“ wie folgt:

Ein bekanntes Beispiel einer solchen Stammbesetzung ist die Zusammenarbeit des Starregisseurs Steven Spielberg mit dem Filmkomponist John Williams. Beide verbindet nicht nur ihre Arbeit, sondern auch ihre Freundschaft.




Spotting: Festlegen der zu vertonenden Szenen

Spotting bezeichnet man den Prozess, bei dem Regisseur und Komponist den Rohschnitt des Film durchgehen und festlegen, an welchen Stellen die Musik zum Einsatz kommen soll. Dabei wird auch besprochen, welche Aufgabe die Musik an den vorgesehenen Stellen übernimmt – soll die Musik eher unterstützend oder treibend sein. Als Ergebnis werden Timecodes definiert mit Anmerkungen zum Charakter der Musik.

Scoring: Vertonung des Films

Beim Scoring oder auch Vertonen, beginnt die eigentliche Komposition der Filmmusik. Dabei nutzt der Komponist ein sogenanntes DAW (Digital Audio Workstation). Mit diesem komponiert er am Computer die Musik an den vorher durch die Timecodes festgelegten Stellen. Bekannte DAWs sind Cubase, Ableton, Logic oder FL-Studio.

Start & Konzeption

Wenn sich der Komponist den Film anschaut, entsteht die Musik bereits in seinem Kopf. Im besten Fall hat er sogar eine Art Fahrplan. Wichtig ist, jede zu vertonende Szene ist ein Puzzleteil für den gesamten Spannungsbogen. Jede Szene sollte also in die Gesamtkonzeption des Soundtracks passen. Helfen können dabei die Beantwortung folgender Fragen:

  • Ist der Umfang der Komposition bekannt? (Länge des Films, Anzahl der zu vertonenden Szenen)
  • Wurde die Vision des Regisseurs richtig verstanden?
  • Was soll die Musik in der jeweiligen Szene aussagen?

Die wichtigste Frage ist aber:

Wie kann Musik in der jeweiligen Szene zur Struktur des gesamten Soundtracks beitragen?

Aufbau einer Szene

Jede Szene kann einen in sich geschlossenen Spannungsbogen haben und in sich schlüssig sein. Normalerweise besteht eine Filmszene aus drei Abschnitten.

  1. Spannungsaufbau
  2. Klimax
  3. Überleitung

Bei der Phase „Spannungsaufbau“ sollte die Musik nur soweit zu hören sein, dass sie nicht zu dominant agiert oder einen Dialog übertönt. Meist bieten sich hier sanfte Streicher an. In vielen Fällen hält sich die Musik auch komplett zurück. Der „Klimax“ dramaturgisiert den Konflikt – sei es eine wichtige Information oder ein physische Aktion, wie ein Schlag oder eine Verfolgung. Die „Überleitung“ ist dadurch bestimmt, dass entweder die Spannung aus der Szene sich langsam entlädt oder den Schwung mit in die nächste Szene übernimmt und auf einen weiteren Konflikt hindeutet.

Fertigstellung: Umsetzung durch Orchester

Hat der Filmkomponist seine Kompostion im DAW beendet und wurde diese durch den Regisseur abgenommen, gilt diese als abgeschlossen. Bei großen Hollywoodproduktionen werden die Noten in Partituren übertragen, welche dann von einem Orchester eingespielt werden. Im folgenden Beispiel siehst Du das Making of vom Soundtrack zum Film Inception. Interessant ist hier zu sehen, wie der verantwortliche Komponist Hans Zimmer sehr eng mit dem Regisseur Christopher Nolan zusammenarbeitet, um am Ende ein nicht nur visuelles, sondern auch akustisches Gesamtkunstwerk zu erschaffen.

Ich hoffe, ich konnte Dir einen kleinen Einblick geben wie Filmmusik gemacht wird. Falls Du Fragen oder Anregungen hast, kannst Du mir gern einen Kommentar hinterlassen.

Kategorien: Filmmusik

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