Videospielmusik muss dynamisch auf die Interaktion des Spielers mit seiner virtuellen Umgebung reagieren und unterscheidet sich daher von eigenständigen Musikwerken und der Filmmusik. Erfahre hier mehr zum Thema Musik in Videospielen:

Definition

Videospielmusik umfasst alle Werke der Musik, die in einem Videospiel Anwendung finden. Hierbei kann es zum Einsatz von eigens für das Spiel komponierter Musik kommen oder bereits bestehende Songs als Soundtrack verwendet werden.

Videospielmusik Geschichte

Die Geschichte der Videospielmusik geht bis in die 70er Jahre des letztens Jahrhunderts zurück und hat wie die Filmmusik selbst eine enorme Entwicklung durchgemacht. Dabei spielt auch der technologische Einfluss eine Rolle, denn Videospiele waren gleich von Anfang an ein digitales Produkt.

1970er: Erste Töne

Die ersten Töne in einem Computerspiel waren im Jahr 1972 zu hören. Atari brachte Pong auf den Markt – eine Art elektronisches Tischtennis. Neben einer minimaoistischen Optik stach hier das Sound Design hervor und sollte den Grundstein für die spätere Videospielmusik legen. Drei Töne waren ausschlaggebend und gaben dem Spieler so ein akustisches Feedback. Hier mal ein Beispiel:

Mitte der 1970er Jahre kam es zur Entwicklung von Soundchips, die zu einer besseren Erzeugung von Klang und Musik führten. Am bekanntesten war die aus vier Tönen bestehende Musik aus „Space Invaders“ im Jahr 1978 – und begründete damit den Beginn der 8-Bit Ära.

1980er: Erste Spielesoundtracks

Der erste und wohl eine der berühmtesten Videospielmusiken ist die Melodie aus dem 1984 erscheinenden Puzzlespiel Tetris. Sie stammt von dem britischen Komponisten Wally Beben und war mit ihrer Länge von 26 Minuten die wohl längste SID (Sound Interface Device) Komposition ihrer Zeit.

In den folgenden Jahren wurde die Videospielmusik immer bedeutender und trug somit maßgeblich zum Spielerlebnis bei. Dadurch entstanden beliebte Spielmusiken wie in dem 1985 erschienenen „Super Mario Bros“ oder dem 1986 veröffentlichten „The Legend of Zelda“.

1990er bis heute: Musik als Identität

Ab den 90ern wurde die Videospielmusik immer komplexer und orientierte sich am Vorbild der Filmmusik. Aus diesem Grund besitzen heute sogenannte Tripple-A-Spiele Original Soundtracks, die oft von großen Orchestern eingespielt werden und dadurch zur Identität eines Computerspiels beitragen.

Die besten Videospiel Songs

Im Folgenden möchte ich drei meiner persönlich besten Videospiel Songs/Soundtracks der jüngsten Spielegeschichte vorstellen. Wenn Du auch einen Lieblingsspiele-Soundtrack hast, schreibe ihn mir doch gerne in die Kommentare.

Mass Effect 3: Introsong

Mit einem emotionalen Intro startet das im Jahr 2012 erschienene „Mass Effect 3„. Der Introsong glänzt mit seiner einprägsamen Melodie und seinem grandiosen Spannungsaufbau und mischt Sounds der Reaper (Die große Bedrohung im Spiel) mit stimmungsvollen Piano- und Orchesterklängen. Besonderheit am Soundtrack von „Mass Effect 3“, mehrere Komponisten waren an der Entstehung beteiligt, unter anderem Sasha Dikicyan und Sam Hulick.

Skyrim: Dovakin

Ebenfalls ein prägender Soundtrack war das musikalische Hauptthema aus „Skyrim„. Das Spiel ist 2011 erschienen und verkaufte sich bis 2016 insgesamt 30 Millionen mal und zählt wohl zu den erfolgreichsten Videospielen aller Zeiten. Hier ein Auszug des Hauptthemas „Dovakin“, komponiert von Jeremy Soule und gesungen von Sabina Zweiacker:

Gothic 3: Soundtrack

Zu einem meiner persönlichen Lieblingsspiele zählt die Gothic-Reihe vom deutschen Entwickler Piranha Bytes. Herrausstechend ist dabei der Soundtrack aus „Gothic 3“, komponiert von Kai Rosenkranz. Für mich ein Meisterstück der Videospielmusik, gerade wenn es um Dynamik und Abwechslung geht. Hier ein Making Of Video:

Musik für Spiele komponieren

Um Musik für Videospiele zu komponieren, ist wichtig zu wissen, dass man mit Musik Stimmungen transportieren und Spannungen aufbauen muss. Die Musik darf dabei nie zu dominant werden – sie ist eher ein unterstützendes Element.

Unterschiede zur Filmmusik

Filmmusik und Videospielmusik sind sich ähnlich und haben dabei die Aufgabe Emotionen und Gefühle zu vermitteln. Sie sollen die Identifikation mit einem Ort stärken oder einen Charakter oder eine Situation akustisch repräsentieren. Trotzdem gibt es neben den genannten Gemeinsamkeiten Unterschiede:

VideospielmusikFilmmusik
  • Der Spieler hat einen direkten Einfluss auf den Musikverlauf. Er kann durch Interaktion mit der Spielumgebung die Art und Weise der Musik beeinflussen. Dabei kann die Länge der Musikauswahl, aber auch die Dramatik der genutzten musikalischen Mittel beeinflusst werden.
  • Der Zuschauer eines Films hat in der Regel keinen direkten Einfluss auf den Musikverlauf. Es bleibt beim Zuschauen.
  • In einem Videospiel verfügt der Spieler über unterschiedlich viel Freiraum seiner Entscheidungsmöglichkeiten. Er hat Kontrolle über die Spielwelt/Spielhandlung und nimmt somit Einfluss auf die Musik.
  • Der Zuschauer eines Films ist passiv, da die Filmhandlung linear abläuft und somit der Verlauf der Musik nicht beeinflusst werden kann.
  • Die Musik in Videospielen muss also in der Lage sein dynamisch und flexibel auf die Interaktion des Spielers mit seiner Umgebung zu reagieren – die Videospielmusik muss sich anpassen bzw. adaptiv sein.
  • Die Filmmusik muss nicht auf die Interaktion des Zuschauers reagieren, da der Handlungsverlauf im Vornherein feststeht – die Musik ist statisch, da sie einem Filmscript/Filmschnitt folgt.

Produktion von Videospielmusik

Wie wird Videospielmusik produziert? Der Komponist steht hier vor einer großen Herausforderung, denn er muss eine Musik komponieren, die auf einen nicht vorhersehbaren Handlungsverlauf reagieren soll. Folgende vier Werkzeuge stehen ihm dabei zur Verfügung:

  1. Es werden Blocks erstellt, die in ihrer Komposition unterschiedlich lang sind und so in ihrer Reihenfolge beliebig miteinander kombiniert werden können.
  2. Es wird ein Intro erstellt, dass eine Spielsequenz einleitet und auf das Kommende vorbereitet (ruhig oder dramatisch).
  3. Der Loop ist ein kurzer Musikabschmitt, der sich solange wiederholt, bis sich der Spielverlauf in seiner Stimmung ändert. Ob der Spieler für einen Kampf 10 Sekunden oder gar länger braucht, auf die transportierte Emotion des Loops hat das keine Auswirkung.
  4. Weitere Techniken können Leitmotive sein, die im Verlauf des Spiels immer wieder mal auftauchen. Zudem kann die Musik im Gesamten einen vorgegebenen Grundton des Spieleentwicklers tragen.

Wie wird man Komponist für Videospiele?

Um Videospielkomponist zu werden, braucht es zum einen natürlich eine Leidenschaft für die Musik. Zum anderen benötigt man Fähigkeiten und das Verständnis Harmonien und Melodien zu kreieren. Es folgen drei wichtige Punkte für den Einstieg in die Videospielmusik.

Die richtige Software

Es ist Geschmacksache, welche Musiksoftware sich für die Musikproduktion am besten eignet. Hans Zimmer arbeitet beispielsweise vorwiegend mit dem DAW Cubase. Ich für meinen Teil verwende für Film- und Videospielkompositionen FL-Studio. Jedes Musikprogramm hat dabei seine Vor- oder Nachteile. Wichtig sind die persönlichen Vorlieben und was man damit umsetzen möchte.

Eigenvermarktung

Die Selbstvermarktung spielt für einen Musiker eine entscheidende Rolle. Neben einer gut optimierten Website, sollte man auch auf den relevanten Social Media Kanälen vertreten sein. Dabei ist es wichtig seine Zielgruppe bzw. Fans zu kennen und ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Es stellt sich darum die Frage „Was wünschen sich Deine Hörer?“, dafür bieten sich Background-Infos oder Einblicke aus dem Alltag eines Komponist an. Ich empfehle dazu meinen Artikel „Musikmarketing„.

Musikreferenzen

Das beste Aushängeschild sind natürlich vorzeigbare Lieder. Ich habe mir dazu eine Unterseite mit gemafreier Musik erstellt, auf der ich eine Auswahl von Liedern zum Anhören und kostenlosen Downloaden anbiete. Ich sehe diese Playlist als mein Musikreportoire für mögliche Auftragskompositionen.

 

Wenn Du mehr über das Komponieren erfahren möchtest, kann ich Dir meine beiden Artikel „Filmmusik komponieren lernen“ und „Filmkomponist werden“ empfehlen.

Kategorien: Filmmusik

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